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DEEP IMAGINATION im Interview

„Pink Floyd und Dead Can Dance haben mich musikalisch am meisten beeinflußt“. (20.06.2017)

Thorsten Sudler-Mainz spricht im Interview mit dem Blackmagazin über musikalische Einflüsse und die Entstehung seines neuen Albums "Carefully Kept Secrets". Dabei gibt er Einblicke in die Studioarbeit und die Zusammenarbeit mit Gastmusikern wie Günter Kaufmann und Byron Metcalf.

„Pink Floyd und Dead Can Dance haben mich musikalisch am meisten beeinflußt“.

http://www.blackmagazin.com/?p=20180

Wieder einmal halte ich ein kleines oder auch großes Juwel in den Händen. Wer auf Sounds a la Enigma, Dead Can Dance, Clannad, Era, Pink Floyd und ähnlichen Verdächtigen steht, kommt um Deep Imagination nicht herum. Das Projekt von Thorsten Sudler-Mainz verfolge ich schon länger und immer mal wieder, da es wunderbare Veröffentlichungen produziert und die Allgemeinheit an Ihren kosmischen Klängen teilhaben läßt. Das neue Werk „Carefully Kept Secrets“ macht da keine Ausnahme, hier erklingen sphärische Ambientsounds, dezent eingestreute Percussion, himmlisch ätherische Vocals, sowie spannungsgeladene Artrockelemente und immer wieder vereinzelt auftretende Gitarrenspielereien. Lassen wir uns also von Thorsten aufklären, wie es zu seinem Projekt kam und was er noch so vor hat, da gibt es sicher einigen Redebedarf.

Hi Thorsten, ich möchte zum Einstieg noch mal wissen, wie Du zu Deinem Projekt – Deep Imagination gekommen bist, wie begann bei Dir generell Deine elektronische Musikkarriere und woher nimmst Du die Inspiration und Motivation?

Hi Sven, als ich 2005 mit Deep Imagination als mein Soloprojekt angefangen habe, war es zuerst ein instrumentales Nebenprojekt, mit dem die Möglichkeit bestand, auch live zu spielen. Nachdem mein anderes Projekt Art Of Infinity 2012 in den Dornröschenschlaf gefallen war, wurde Deep Imagination zu meinem Hauptprojekt und ich bin sehr glücklich damit. Einfach deswegen, weil es mich heute total zufrieden macht, die komplette Kontrolle über die Produktion selbst in der Hand zu haben. Das führt dazu, dass ich wie jetzt mit meinem neuen Album „Carefully Kept Secrets“ nahezu hundertprozentig zufrieden bin. Zur Elektronischen Musik bin ich 1996 über den Kauf eines Kurzweil K2000 gekommen. Die Faszination, mit Synthesizern atmosphärische Musik zu machen, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Meine Inspiration ist es, Musik zu erschaffen, die mir selbst gefällt und mich darüber künstlerisch auszudrücken. Dies führt dann zur Motivation, eine Arbeit wie eine Albumproduktion in Angriff zu nehmen und durchzuziehen.

Haben sich über die Jahre Deine individuelle Musikausrichtung und elektronischen Sounds – der neuen Technik geschuldet – weiter entwickelt, wie sieht Deine Produktionsumgebung heute aus?

Wie jeder andere Musiker auch, wurde ich stark von der Musik meiner Kindheit und Jugendzeit beeinflusst und geprägt. Ich wurde 1963 geboren und in der Musik der 60er, 70er, 80ger und der 90ger liegen meine musikalischen Wurzeln. Was aber nicht bedeutet, dass ich seitdem nichts Neues mehr entdeckt habe. Meine Art und Weise, Musik zu machen, hat sich natürlich seit meinen Anfängen 1982 bis heute stark verändert, natürlich auch durch die technischen Möglichkeiten. Angefangen habe ich mit Schlagzeug, später kamen dann Gitarre und Gesang dazu und dann natürlich auch die elektronischen Instrumente wie Keyboards und Computer. Mit Art Of Infinity habe ich im Team zusammen mit Thorsten Rentsch vier sehr aufwändige Alben produziert. Wenn ich heute an einer Deep Imagination Produktion arbeite, kommen mir all diese Erfahrungen zugute, auch wenn ich auf keinem einzigen Instrument zu einem Virtuosen geworden bin. Mein Studio hat sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt und die heutige Technik und Software hilft natürlich ungemein. Du brauchst aber im Prinzip nur Klangquellen, Mikrofone und Aufnahmespuren. Ausschlaggebend für das musikalische Endergebnis sind für mich die Ideen, die Kreativität und die Kunst der Entscheidung.

Erklär den Lesern doch bitte einmal das Konzept eines Deep Imagination Albums Deiner Wahl, am besten sicher anhand der neuen Veröffentlichung „Carefully Kept Secrets.

Für „Carefully Kept Secrets“ habe ich bewusst ein sehr offenes Konzept entwickelt, das mir die Möglichkeit gab, viele Einflüsse aus meinem bisherigen musikalischen Erfahrungen einfließen zu lassen. Es ist mein erstes Soloalbum, bei dem ich zur dominierenden elektronischen Ambient-Komponente auch Gesänge, Gitarren und echt eingespielte Percussion eingesetzt habe. Ich habe bisher zwar drei instrumentale Alben mit Deep Imagination gemacht, bin aber kein EM-Musiker im klassischen Sinne. Es sind Bands wie Pink Floyd oder Dead Can Dance, die mich vielleicht am stärksten musikalisch beeinflusst haben. Ich glaube, das kann man auf dem neuen Album hören. Inhaltlich geht es auf „Carefully Kept Secrets“ um Träume und die Wahrung von Geheimnissen. Und es geht um die Suche nach Lösungen, die jeder für sich selber finden muss und der daraus resultierenden Lebenserfahrung. Es geht um die Erkenntnis, dass man sich für das Erreichen seiner Ziele nicht allzu sehr auf andere verlassen sollte, sondern es am besten selbst anpackt. Da steckt eben auch ziemlich viel von meiner eigenen Geschichte drin.

Wieviel Arbeitszeit wurde in die großartigen Alben investiert und wie lief der Entstehungsprozess incl. Studioarbeit bei Euch ab?

Bei der Entstehung des neuen Albums ist diesmal eine Eigendynamik eingetreten, die ich nicht erwartet hätte. Das lag auch an meinen wunderbaren Gastmusikern wie meiner Frau und Sängerin Ann Kareen Mainz, Percussionist Byron Metcalf und vor allem an Gitarrist Günter Kaufmann, der mit seinem traumhaft floydigen Gitarrenspiel genau die Artrock Komponente eingebracht hat, die ich haben wollte. Günter wohnt ganz in meiner Nähe und ich kannte ihn noch von einer Session, die wir in den 80ern zusammen gespielt hatten. Wir haben uns aber erst 2012 beim Konzert von Art Of Infinity im Planetarium Bochum wieder getroffen. Zwei Jahre später kam er zum ersten Mal zu mir ins Studio und als er auf einen meiner Basic Tracks spielte, war da sofort eine umwerfende Magie im Raum. Er hat einen wunderbaren Ton. Dabei ist es egal, ob er auf der Stratocaster, der Telecaster oder der Akustischen spielt. Im Vergleich zu früheren Alben befinden sich auf „Carefully Kept Secrets“ sehr viele live im Studio eingespielte und improvisierte Passagen, aus denen ich die besten aussuche und dann im Arrangement verwende. So habe ich die Gitarren und auch viele meiner Keyboardparts produziert. Ich finde, dieses Vorgehen hat der Musik ein gewisses Maß an Seele gegeben. Zudem habe ich es sehr genossen, Gesangslinien und Chöre zu komponieren und diese dann mit meinen drei Sängerinnen aufzunehmen. Dazu kam, dass Byron Metcalf meine Anfrage, bei Deep Imagination Percussion beizusteuern, positiv beantwortet hat. Ich habe ihm zwei Basic Tracks geschickt und er hat einfach fantastische Sachen in seinem Studio in Arizona dazu eingespielt. Seine Grooves haben mich bei der weiteren Ausarbeitung der Stücke wahnsinnig inspiriert. Du hörst ihn auf dem Titelsong und auf „Wings To Fly“, das zu meinem Lieblingsstück auf der neuen Produktion geworden ist. Wenn er spielt, hörst du sofort, dass er es ist. Er ist ein sehr berühmter und einzigartiger Musiker und ich bin sehr stolz darauf, ihn auf dem neuen Album zu haben. „Carefully Kept Secrets“ wurde schließlich von Thorsten Rentsch im Renaissance Studio Cologne abgemischt. Ihm, meinem Labelmanager Christoph Bühring-Uhle von BSC Music und allen anderen, die an meinem neuen Album mitgewirkt haben, bin ich sehr dankbar.

Wie stehst Du zum Thema Musikvideos – bringt es Vorteile in diesen audiovisuellen Zeiten Clips für You Tube oder andere Kanäle zu erstellen?

Das ist ein Thema, da ich zunehmend interessanter finde. Wir haben für den Titelsong „Carefully Kept Secrets“ zum ersten Mal einen Video-Clip produziert, in dem wir als Musiker selbst auftreten. Das ist dann fast wie eine Bühne, da der Hörer auch die Menschen, die hinter der Musik stehen, sehen kann, was das ganze irgendwie spannend macht. Es war schon länger mein Ziel, einmal ein Video zu produzieren, in dem die Musiker auftreten und ein bisschen schauspielern. So, wie es damals in den 60ern die Beatles erfunden haben. Es war wunderbar, dass Ann Kareen und Günter mitgemacht haben. Und Oda Reiter von Wortwind, die auf dem neuen Album auch singt, hat die Kamera geführt und war an der Produktion beteiligt. Derzeit arbeite ich an Konzepten für weitere Videos zu Stücken vom neuen Album, da ist auch „Wings To Fly“ dabei. Das wird wieder ein bisschen aufwändiger werden, ich will aber noch nicht zuviel verraten.

Wird im Studio bei Dir viel herum experimentiert und getestet, worauf legst Du besonderen Wert, wenn Du z. b. neue Synthies u.a. prüfst?

Da passieren viele Dinge einfach intuitiv. Wenn ich ein Album produziere, dann schaue ich auch auf die stimmige Auswahl von Klängen, egal ob sie vom Hardware- oder Software-Synthesizer kommen. Ein Sound muss inspirierend sein. Und beim Einspielen muss etwas passieren, damit ich die Aufnahme behalten und an ihr weiterarbeiten will. Manchmal verwerfe ich ganze Spuren und Parts oder ändere ein Arrangement radikal, solange, bis mir die Komposition durchgängig von vorne bis hinten gefällt. Das kann dann schon mal ein längerer Prozess sein. Wenn ich einen bestimmten Klang haben möchte, dann suche ich solange, bis ich einen gefunden habe oder ich schraube ihn mir zurecht. Bei anderen Sounds weiß ich sofort, welchen Klang ich für die jeweilige Idee verwende. Das experimentieren, zum Beispiel mit Effekten wie Delays, kann zu sehr überraschenden und interessanten Klängen führen, auch beim finalen Mix können da noch tolle Sachen passieren. Ich setzte aber auch gerne immer wieder echte Gongs und Becken und auch mal einen total verzerrten Fenderbass ein, bei dem ich mit dem Plektrum über die Saiten ratsche und dem Ganzen dann einen Rückwärtseffekt gebe. Ich habe mir gesagt, wenn du am Ende eine lebendige Produktion haben willst, dann darfst du dich nicht alleine auf deine Keyboards verlassen.

Was sind Deine Lieblings Auftrittsorte z. b. in irgendwelchen Planetarien dieser Welt, was bei Deiner Soundausrichtung passend wäre?

Die Antwort steckt eigentlich schon in deiner Frage. Ich habe bisher zweimal im Planetarium Bochum gespielt und das ist definitiv ein Lieblings Auftrittsort von mir. Sehr gut in Erinnerung sind mir das Deep Imagination Konzert im Movie in Bielefeld beim Electronic Circus Festival und der Auftritt beim Satzvey Castle Festival. Für ein Konzert mit atmosphärischer Musik ist eine magische Location natürlich sehr wichtig. Diese Konzerte liegen aber alle schon ein paar Jahre zurück und im Moment gibt es bei Deep Imagination noch keine konkreten Live Pläne, aber mal schauen, was noch so passiert.

Und zum Schluss ein kleiner Ausblick: Was möchtest Du musikalisch noch umsetzen und erreichen, Filmmusik wäre bei Deiner Ausrichtung sicher auch mal ein Thema?

Wenn jemand meine Musik in Filmen oder Dokus verwendet, dann freut mich das natürlich sehr. Es sind auch schon Stücke von mir in ZDF, Arte und im HR Fernsehen eingesetzt worden. Filmmusik zu machen, ist aber nicht mein Ziel. Was ich musikalisch noch erreichen möchte, darüber denke ich gar nicht nach. Ich bin schon glücklich, wenn ich, wie seit 2004, meine Musik über ein solch feines Label wie BSC Music veröffentlichen darf. Was die Art der Veröffentlichung angeht, finde ich es interessant, vielleicht einmal nur einen einzelnen Titel herauszubringen. Aber am Ende ist für mich das Albumformat unersetzbar. Wie ein Schriftsteller ein Buch schreibt, so ist für mich ein zusammenhängendes Album aus künstlerischer Sicht einfach das Schönste, was man machen kann.

Wir empfehlen euch das Video zum Song „Carefully Kept Secrets“!

https://youtu.be/YzcT51IvzZg

(S. Ericksen)